Münchner Straßenverzeichnis

   Sendlinger Straße          

Straßenname Sendlinger Straße
Beschluß vor 1318 Erstnennung
Plz 80331
Stadtbezirk 1. Altstadt-Lehel
Stadtbezirksteil Hackenviertel
Straßenlänge 0 km
Lat/Lng 48.13558 - 11.57111

612. Sendlingerstraße.Zweigt vom Rindermarkt und der Rosenstraße beim Rufinihaus in südwestlicher Richtung ab und endet am Sendlingerthor. »Sie führt ihren Namen von dem schon 782 urkundlich bekannten Dorfe Sendling, an dessen alten Straßenzug sie sich unmittelbar anschloß und das zuerst gemeinschaftlich mit Schwabing (s. Schwabingerlandstraße), dann 806 allein als »villa Sentilinga" (wahrscheinlich bei den Nachkommen des Sentilo) genannt wird. In diesen ältesten Dokumenten ist ohne Zweifel Obersendling gemeint. Während des Mittelalters befand sich zu Sendling eine »Dingstätte.« Ein Pfarrer Heinrich von Sendling ist schon unter dem 18. Jan. 1249 bezeugt. 1281 erscheint Sentlingen. Bereits im 14. Jhdt. war das Geschlecht der Sendlinger *), das unter dem Patrizierfamlilien Münchens vertreten ist, sehr angesehen und einflußreich; sein Sitz soll im Reichenthal an der Isar bei Obersendling gewesen sein, wo man noch 1773 die Trümmer einer Burg sah. Auch Bischof Konrad Ill. von Freising (1314—1322).gehörte dem Geschlechte der Sendlinger an. In der Mühldorfer Kaiserschlacht war er, im Gegensätze zu den übrigen Bischöfen, die bel Friedrich dem Schönen standen, auf Seite Ludwigs dem Bayern. Sighart der Sendlinger war auch Stifter des Klarissenklosters am Anger. Traurige Berühmtheit hat Untersendling, das früher auch mehrmals Niedersendling heißt, durch die sogenannte ,Mordweihnacht« von 1705 erlangt-— Die Pfarrei Sendling wurde einst vom Kloster Schäftlarn aus errichtet (s. Thalkirchner- und Plinganserstraße). Zwischen 1706 und 7 fant die Neuerbaunug der Pfarrkirche in Untersendling; der Gottesacker um dieselbe, welcher in gemeinsamem Grabe den Staub vieler, treuer Oberlander birgt, ist seit 24. Juli 1877 für Beerdigungen geschlossen. Die Gemeinde Sendling gehört seit 1. Jan. 1877 zur Stadt München. Ihre Pfarrei ward am 17. Juli gleichen Jahres zur Stadtpfarrei erhoben, Neuhausen bereits am 1.Nov.1871 ausgepfarrt und später, unter dem 13.Dez.1874, ebenso die frühere Filiale Pullach, »als Pfarrei erklärt. Nymphenburg ist nur mehr nominell mit Sendling kirchlich vereinigt, da der Hofkurat dorstselbst alle pfarrlichen Rechte genießt. Das frühere "äußere Rappened" (s. Färbergraben) in der Sendlingerstraße (gegenwärtig Eckhaus Nr. 87, früher im Besitze des unglücklichen Eisenhändlers Senfer, nunmehr dem Eisenhändler August Baumann gehörend) wird jetzt nicht mehr unterschieden. Das Gedächtnis hieran ist durch ein Freskobild aufgefrischt als Erinnerung an jene Zeiten, wo man das Institut der Hausnummern noch nicht kannte und sich durch Bezeichnung der Straßenenden zurechtfinden mußte. Außer diesem Gebäude verdienen Beachtung: Nr. 61. Das ehemalige Ajam- dann Gejaidamts-Haus; jetzt der Stadtgemeinde gehörig, mit Stuffaturarbeiten Asam's geziert. Nr. 62. Die St. Johanniskirche aus zwei Häusern von den Brüdern Agib und Kosmas Asam auf eigene Kosten 1733 erbaut und 1746 vollendet (s. Asamstraße). Nr. 63. Das Priesterhaus, i. F. 1689 dem berühmten Kupferstecher Gustav von Amling gehörig, i.F. 1734 seiner jetzigen Bestimmung, die St. Johanniskirche mit den nötigen Priestern zu versehen, gewidmet. Nr. 64. Armenanstalt, dem Stadtmagistrat gehörig. Nr. 86. Ehemals der Koch in der Hölle. Gegenüber diesem Hause war vor Zeiten eine Höhlung im Boden mit einer Wasserlache, wovon man es bei der "Höll", später bei der "Hölle" hieß. Als später sich im Hause ein Garkoch etablierte, nannte man es beim "Koch in der Hölle". In dessen Speisestube befand sich ein Gemälde mit einem altertümlich gekleideten Gaste und dessen Frau, woraus dann die Volkssage entstand, dass hier der flüchtige Luther mit seinem Katherl Bratwürste gegessen habe, aber heute noch die Zeche schuldig sei.**) Das über dem anderen ecke des Hauses Nr. 87 am Färbergraben anstoßende Haus (Nr. 20) hieß der Volskwitz im Gegensatze zur Hölle "im Himmel". In ihm befand sich, wie beim Färbergraben erwähnt wurde, der "Himmerlschäffler". Als dieses Haus am 29. Juni 1631 gegen das erstere einfiel, sagte man scherzweise, der Himmel sei in die Hölle gefallen, was auch lange Zeit eine Exvoto-Tafel bei der sogenannten, jetzt in der hl. Geistkirche befindlichen Hammerthaler Muttergottes in der ehemaligen Augustinerkirche zeigte.

*) Confr. Oberbayer. Archiv XI, 117, Jos. Mayer, Münchener Stadtbuch S.32. **)Cfr. Schöppner, TAgebuch I. 472; Professor Dr. Martin setzt irrtümlich dieses Haus in den Färbergraben und hebt die "Hölle" als dem dort befindlichen "Himmelschäffler" gegenüberliegend hervor, s. Oberb. Archiv XXXI, 224.

Karl Graf von Rambaldi - Die Münchner Straßennamen und ihre Erklärung (1894)

StraßeNameArchitektBaustilJahr
Sendlinger Straße 1Ruffini-Block
Sendlinger Straße 2SchlossereckHöchl Joseph klassizistisch1831
Sendlinger Straße 3GeschäftshausHönig Eugen, Söldner KarlJugendstil
Sendlinger Straße 4Geschäftshaus Zum RappeneckHönig Eugen, Söldner Karl Historismus1911
Sendlinger Straße 8Ehem. Haus der Münchener Neuesten NachrichtenLittmann MaxHistorismus1905
Sendlinger Straße 10Abendzeitungklassizistisch
Sendlinger Straße 11Bürgerhaus1788
Sendlinger Straße 14Altes Hackerbräuhaus1885
Sendlinger Straße 27GeschäftshausAtzenbeck HannsHistorismus1924
Sendlinger Straße 29Haus zum SinglspielerBaudrexel Jakob, Grässel Hansdeutsche Renaissance1897
Sendlinger Straße 30Priesterhaus St. Johann NepomukKrinner Matthias Spätbarock1771
Sendlinger Straße 32St. Johannes von Nepomuk Asam Cosmas Damian, Asam Egid QuirinRokoko1733
Sendlinger Straße 33MietshausDix OttoNeurenaissance1889
Sendlinger Straße 34AsamhausAsam Egid Quirinspätbarock1735
Sendlinger Straße 35Bürgerhausklassizistisch1800
Sendlinger Straße 41Wohn- und GeschäftshausMayer J. G.Neurenaissance1890
Sendlinger Straße 43Geschäfts- und MietshausStrelin OscarNeurenaissance1884
Sendlinger Straße 45Geschäfts- und WohnhausVolbehr HeinrichHistorismus 1898
Sendlinger Straße 49Sendlinger TorZenetti Arnold, Bertsch Wilhelm gotisch
Sendlinger Straße 49Sendlinger Torgotisch
Sendlinger Straße 50Ehem. BierbrauerhausMeister Georg klassizistisch1834
Sendlinger Straße 54MietshausBischoff AloisNeurenaissance1884
Sendlinger Straße 56Wohn- und Geschäftshaus KrafftOstenrieder Maxneugotisch1899
Sendlinger Straße 60MietshausMüller GeorgNeurenaissance1896
Sendlinger Straße 62Wohn- und GeschäftshausKroneder Josef , Bayer LudwigNeurenaissance1884
StraßeNameArtJahrBild
Sendlinger StraßeHimmelschäfler-HausGedenktafel2018-06-02 11:31:17
Sendlinger Straße 2EbenböckhausGedenktafel2012-04-14 14:32:26
Sendlinger Straße 2Ebenböck-HausGedenktafel0000-00-00 00:00:00
Sendlinger Straße 22Reiterbäck0000-00-00 00:00:00
Sendlinger Straße 23Carl Maria von Weber/Giovanni ValesiGedenktafel0000-00-00 00:00:00
Sendlinger Straße 75HackerbräuGedenktafel0000-00-00 00:00:00
StraßeTitelKünstlerArtJahr
Sendlinger StraßeLichtmuschelRucker Hans1973
Sendlinger Straße 29Gorgonen-BrunnenGwiazada Viktor, Strobl Johann1987
StraßeNamevonbis
Sendlinger Straße 61Asam Egid Quirin1735
Sendlinger Straße 75Pschorr (Familie)

Straßen sind das Gedächtnis der Stadt



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