Münchner Straßenverzeichnis

   Palmstraße          

Palm Johann Philipp
Johann Philipp Palm
Bildrechte: Gemeinfrei (Wikipedia 2017)

Johann Wilhelm Palm, Buchhändler zu Nürnberg, bekannter Patriot, auf Befehl Napoleons am 26.8.1806 zu Braunau erschossen.

Quelle: Stadt München

Johann Philipp Palm (* 18. Dezember 1766 in Schorndorf; † 26. August 1806 in Braunau am Inn, standrechtlich hingerichtet durch Erschießung auf Befehl von Napoleon) war Buchhändler in Nürnberg. Er veröffentlichte im Verlag seiner Buchhandlung das gegen Napoleon gerichtete Pamphlet Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung und wurde dafür zum Tode verurteilt.

Als Sohn des „Chirurgus und Umgelders“ (Chirurg und „Steuereinnehmer“) Johann Leonhard Palm wuchs er in Schorndorf auf und lernte danach bei seinem Onkel Johann Jakob Palm in Erlangen den Buchhandel. Nach seiner Lehre wurde er Gehilfe in der Buchhandlung Stein in Nürnberg, heiratete am 27. Februar 1796 in der St.-Sebald-Kirche in Nürnberg die Tochter des Hauses (Anna Catharina Barbara, geborene Stein, genannt Anna Maria) und kam so auch in den Besitz der Steinschen Buchhandlung (gegründet um 1600). Johann Philipp Palm hatte mit Anna Catharina Barbara drei Kinder: Anna Maria (geboren Dezember 1795), Johann Wolfgang Philipp (auch Hans, geboren 29. Oktober 1798) und Anna Sophie (geboren 1800).

Nach der Besetzung Nürnbergs durch französische Truppen im März 1806 erschien dort im Juli im Verlag von Palms Buchhandlung die 144 Seiten umfassende Schrift Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung, in der zum Widerstand gegen die Franzosen und deren bayerische Verbündeten aufgerufen wurde. In Augsburg geriet sie in die Hände französischer Offiziere, die das Ganze anzeigten. Daraufhin fanden am 28. Juli und 4. August im Hause Palms in Nürnberg Hausdurchsuchungen statt. Palm war jedoch auf Geschäftsreise und begab sich zunächst zu seinem Onkel in das preußische und damit sichere Erlangen. Trotz Warnungen kehrte er heimlich nach Nürnberg zurück, wo ihn ein Bettler, dem er kurz zuvor ein paar Taler Almosen gezahlt hatte, denunzierte.

Am 14. August wurde er zusammen mit seinem Anwalt Rudolf Sigmund von Holzschuher nach Ansbach zum französischen Oberkommandierenden Jean Baptiste Bernadotte gebracht. Dieser überstellte ihn am 22. August in die französisch besetzte Festungsstadt Braunau am Inn.

Hier erklärte man ihm, dass seine Verhaftung aufgrund eines Dekrets Napoleons vom 5. August erfolgt sei. Ein französisches Militärgericht verurteilte ihn am 25. August trotz seiner Unschuldsbeteuerungen zum Tode. Bei der Erschießung am folgenden Tage wurde Palm zweimal durch Schüsse nur verwundet, so dass er erst im dritten Versuch durch einen Gnadenschuss getötet wurde.

Ob sich der bayerische König Max I. Joseph für eine Begnadigung Palms einsetzte, wie oft kolportiert wird, ist bis heute umstritten. Dafür sprechen könnte, dass einer von Palms Mitangeklagten aufgrund der Fürsprache des Königs begnadigt wurde.

Palm verheimlichte bis zum Schluss die eigentlichen Autoren des Pamphlets. In der Literatur werden sowohl der Graf Julius von Soden als auch der Kammerassessor Julius Conrad von Yelin aus Ansbach (Geschäftsführer der 1803 in Passau eröffneten Filiale der Palmschen Buchhandlung) und Justizrat Johann Georg Leuchs genannt. Sein Tod erregte in Deutschland großes Aufsehen als Beispiel für die despotische Herrschaft Napoleons.

Von Johann Philipp Palm selbst leben heute keine Nachfahren mehr; die Münchner Fotografin Laura Maria Palm († 21. August 1953, Urenkelin) war die letzte Nachfahrin. Nachfahren der seit 1419 nachweisbaren Familie Palm sind heute weit verbreitet.

Quelle: Wikipedia

Straßenname Palmstraße
Beschluß 4.11.1880 Umbenennung
Plz 80469
Stadtbezirk 2. Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt
Stadtbezirksteil Glockenbach
Straßenlänge 0.158 km
Kategorie Personen Buchhändler  
Person Palm Johann Philipp (18.12.1766 [Schorndorf] - 26.8.1806 [Braunau am Inn])
GND 118739050
Nation Deutschland
Konfession evangelisch
Lat/Lng 48.12548 - 11.56865
Wikipedia Wikipedia Deutsche Biografie Deutsche National Bibliothek

Alte Straßenbezeichnungen

Straße Von Grund Bis Grund
PechwinkelKein Grund angegebenKein Grund angegeben

475. Palmstraße.Früher Pechwinkel, verbindet die Baum mit der Arndtstraße. Zur Ehrung des unglücklichen Buchhändlers Johann Philipp Palm *), eines Opfers französischer Tyrannei in Deutschland, geb. 1768 zu Schorndorf. Palm erlernte in Erlangen den Buchhandel und erwarb als Schwiegersohn des Buchhändlers Stein zu Nürnberg die Steinsche Buchhandlung. Im Frühjahr 1806 versandte Palm eine wahrscheinlich von Professor Yelin in Ansbach versaßte und von Palin verlegte Flugschrift:« »Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung«, in welcher Napoleon l. und das Benehmen der französischen Truppen in Bayern hartem Tadel unterworfen waren, an die Stagesche Buchhandlung in Augsburg, ohne jedoch den Inhalt der Schrift zu kennen. Diese geriet zufällig in die Hände französischer Offiziere, die in Mettingen im Quartier lagen, und zog den Zorn derselben auf sich, weshalb sie den Kaiser Napoleon auf dieselbe aufmerksam machten. Dieser befahl ein abschreckendes Exempel zu statuieren. Palm, der nach einein Fluchtversuch im Vertrauen auf seine Unschuld und seine Eigenschaft als Bürger einer ehemals freien Reichsftadt nach Nürnberg zurückgekehrt war, wurde am daselbst verhaftet und einer außerordentlichen Militärkommission in Braunau überwiesen, welche von Napoleon den bestimmten Befehl hatte, den Schuldigen in 24 Stunden verurteilen und hinrichten zu lassen. Die Verurteilung zum Tod »wegen absichtlicher Verbreitung ehrenruhlsiger Schriften wider Frankreich« erfolgte auch 25. Allg. 1806; Palm, der sein Schicksal mannhaft und gottergeben ertrug, wurde am 26. August in Braunau erschossen. Die brutale That erregte im deutschen Volk ingrimmigen Haß gegen den rohen Gewalthaber und seine feigen Schergen sowie das Bewußtsein der tiefen Erniedrigung und gänzlichen Zerrissenheit Deutschlands und so gebührt Palm, der sich durch sein unschuldig vergossenes Blut ein Anrecht auf die Anerkennung seiner Nation erworben hat, das Verdienst, dieses Bewußtsein in die Bahn der Besserung geführt zu haben. 1866 wurde Palm ein lebensgroßes Bronzestaudbild von Knoll in Braunau errichtet, sein Haus in Nürnberg hat König Ludwig I. durch eine Gedenktafel ausgezeichnet. Die Straße, welche, wie oben erwähnt, bisher den Namen Pechwinkel **) führte, welcher den Bewohnern und Hausbesitzern nicht sehr paßte, erhielt am 6. Okt., resp. 8. Novbr. 1890 ihren heutigen Namen.

*) Vgl. Stumpf, denkwürdige Bayern S. 346. **) Bis 1840 etwa befand sich hier die Hütte eines Pechsieders der noch in den 80er Jahren vorhandene »Pechgarten«, eine Vierwirtschaft, trug gleichfalls von jener den Namen, an deren Stelle im 14. Jahrhundert eine Schießstätte für die Armbrustschützen Münchens war.

Karl Graf von Rambaldi - Die Münchner Straßennamen und ihre Erklärung (1894)


Straßen sind das Gedächtnis der Stadt



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