Münchner Straßenverzeichnis

   Neuhauser Straße          

Straßenname Neuhauser Straße
Beschluß 1293 Erstnennung
Plz 80331
Stadtbezirk 1. Altstadt-Lehel
Stadtbezirksteil Kreuzviertel
Straßenlänge 0 km
Lat/Lng 48.13855 - 11.56883

451. Neuhauserstraße. Beginnt beim Färbergraben, die westliche Verlängerung der Kaufingerstraße bildend, gegenüber der Mauthalle und endet am Karlsthor. Sie kommt schon 1293 als ,,Neuhausergasse« vor und führt ihren Namen von der Ortschaft Neuhausen (s. Neuhauserweg), welche in älteren Steuerbüchern der Stadt unrichtig als »Nonnhausen« erscheint, vermutlich von einer dortigen, den Nonnen gehörigen Schwaige. Das den westlichen Abschluß dieser Straße bildende »obere« Thor, 1315 vollendet, und seit 1322 ,,Neuhauserthor« (s. Kaufingerstraße) ist noch teilweise erhalten. Nach einiger Umgestaltung 1791, als es mit der Neuhausergasse am 11. Juli 1792 (oder wie uns eine offizielle Aufschrift am Portal sagt, am 1. Mai l791) seinen Namen nach dem damals regierenden Kurfürsten Karl Theodor ändern mußte, hat es erst am 1. Okt. 1857, infolge der Pulverexplosion vom 15. Sept. gleichen Jahres seinen Turm eingebüßt. Seit der Restaurierung von 1861—62 zeigt das Karlsthor eine völlig veränderte Gestalt, welche der Hauptverkehrslinie der Stadt entsprechend Rechnung trägt, dabei aber auch auf den alten Stil völlig verzichtete. — Noch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zog die Neuhausergasse über das sogenannte ,,Haberfeld«, das etwa vor der heutigen Michaelskirche lag. An deren Stelle befand sich, urkundlich seit 1309, die St. Nikolaustapelle (nicht zu verwechseln mit dem einstigen gleichnamigen Gotteshause am Petersplatze), welche 1582 beim Bau der Jesuitenkirche niedergerissen wurde, gleichzeitig mit dem Hause des Klosters Schäftlarn, dem schönsten und größten Gebäude der damaligen Neuhausergasse. Vor der Kapelle des hl. Nikolaus hielt man ehedem den Nikolausmarkt, und auch noch einige Jahre nach dem Abbruche derselben fand er in der Neuhausergasse statt, bis er endlich am 9. Mai 1597 für aufgehoben erklärt ward. Die noch jetzt in der Sonnenstraße bestehende Weihnachts- oder Christkindeldult ersetzte später denselben. Unter dem 5. Juli 1828 genehmigte König Ludwig I. die beantragte Abänderung des« Namens »Karlsstraße«, oder wie sie zuletzt hieß ,,innere Karlstraße (vom vormaligen schönen Turm bis zum Karlsthor reichend), in die alte Benennung Neuhauserstraße'«, damit die Verwechslung der gleichnamigen neuentstandenen Straße in der Maxvorstadt vermieden wurde; das Thor jedoch hat hiebei seine frühere Bezeichnung nicht wieder erhalten. In den Häusern Nr. 21 und 22 befand sich ehemals die Kirche und das Haus des von Herzog Albrecht V. 1473 gegründeten und von Wilhelm V, Max I und Max Emanuel vergroßerten Seminars für Studierende. Die Kirche war 1573 erbaut und 1646 eingeweiht worden.*) Heute sind in dieser Straße bemerkenswert: Nr. 48, der Bürgerbetsaal, eine von Bürgern für ihre Kongregation 1710 im Rokokostil erbaute Kirche, deren Meister unbekannt ist, mit einem von Martin Knoller 1775 al fresco ausgeführten Deckengemälde und 14 voll Beich gemalten Ansichten bayerischer Wallfahrtsorte. Nr 51, das Wilhelminische oder alte Akademiegebäude. Den ältesten an die St. Michaelskirche stoßenden Teil dieses, heute die »Alte Akademie« genannten Gebäudes erbaute, wie eine an demselben angebrachte Tafel besagt, Herzog Albrecht V. als Jesuitengymnasium 1574—76. Im Norden und Westen anschließend errichtete Herzog Wilhelm V. 1585—98 ein Jesuitenkollegium **) Gleichzeitig 1583—97 ist auch auf ehemals Kloster Schaftlarnschem Grunde (als solcher schon 1300 vorkommend) die Michaelskirche erbaut worden Baumeister für beide waren angeblich Wendl Dietrlch von Augsburg und Wolfgang Müller von München; Der schon zur ziemlichen Höhe gediehene Turm stürzte 1590 ein ***) Im 17. und 18. Jahrhundert wurde nach und nach der im Sudwesten an die Kapellenstraße stoßende Flügel aufgeführt, seine heutige Gestalt erhielt er 1808-11 durch den Hofbau-Intendanten A. Gärtner. Gleich- zeitig wurde der Querbau im Hofe, jetzt Akademie der Wissenschaften errichtet, sowie ein Teil des Langbaues an der Kapellenftraße und der astronomifche Turm — erstere beide für eine Schule der bildenden Kunst. Seine jetzige Gestalt erhielt der Langbau erst 1844—46. Der westliche Flügel des an die Maxburgstraße stoßenden Baues erhielt 1696 ein zweites, 1811 ein drittes Stockwerk, während der 3. Stock des öftlichen Flügels 1808 ausgesetzt wurde. 1886 —87 wurde das ganze alte Akademie-Gebäude durch Adelung und Grässel in seiner heutigen Gestalt umgebaut, der Sitzungssaal der Akademie (im ersten Hofe) erneuert und vergrößert, eine prächtige Haupttreppe an Stelle der früheren finsteren eingebaut und zugleich die Fassaden erneuert. Die älteren Teile dieses Gebäudes dienten voll ihrer Erbauung bis zur Aufhebung des Jesuiten-Ordens 1773 diesem Orden als Gymnasium und Kollegium. Dann gelangten sie, nach vorübergehender Benutzung durch den Malteferorden und verschiedene kurfürstliche Behörden, 1783 an die 1759 gestiftete Akademie der Wissenschaften. Neben der Akademie befanden sich noch folgende bedeutende Hof- und Staatsanstalten im Gebäude: Central-, spätere Staats- bibliothek1774—1843; Kadettenkorps 1775·—1826; Landesarchiv 1784—1844; kurfürstliche Maler-, Bildhauer- und Zeichenschule 1784——1809; Akademie der bildenden Künste 1809-1885; Universität 1826—-1840; Handelsministerium 1842—1866; Landtagsarchiv 1845—1868; Schwurgerichtshof1848-1857. Heute teilen sich mit der Akademie der Wissenschaften und den wissenschaftlichen Sammlungen des Staates folgende Staatsstellen in den Besitz des Gebäudes: Oberstes Landesgericht und geheimes Staatsarchiv seit 1845; Rechnungskammer seit 1865; Oberländesgericht seit 1879; eine Postfiliale seit 1887. Außerdem wurden dein historischen Vereine von Oberbayern am 16. Dezember des Jahres 1885 die Räume des 3. Stockes an der Maxburgstraße zur Ausstellung seiner Sammlung und umfassenden Bibliothek angewiesen. In der Michaelskirche, deren kühnes Deckengewölbe im Innern der Kirche einzig auf vier Hauptmauer-Pfeilern ruht, befindet sich die zweite und größte Fürstengruft (von 1602——1700), 1805 erneuert, und das Grabmal des Herzogs Eugen von Leuchtenberg von Thorwaldsen in karrarischem Marmor ausgeführt. Die in der Nische an der Fassade befindliche kolossale Statue des Erzengels Michael ist nach Candids Zeichnung von Hubert Gerhard modelliert und von Martin Frey in Erz gegossen ****) Nr. 53. Die ehemalige Kirche des Augustinerklosters, in welcher seit 1804 die k. Mauthalle untergebracht ist.

*) Westenrieder, Beschreibung der Haupt- und Residenzstadt München, S. 26; 83 Nr. 7. Matthias Anders, S. 102; Burgholzer S. 186. **) Vgl. Leher, Bayerland, Jahrg. 1890, S. 57. ***) Vgl. Franz Trautmann, Alt-Münchner Wahrzeichen, S. 89. ****) Ausführlicheres hierüber s. ,,Bayerische Bibliothek 16. Band«.

Karl Graf von Rambaldi - Die Münchner Straßennamen und ihre Erklärung (1894)

StraßeNameArchitektBaustilJahr
Neuhauser Straße 2Ehem. Augustinerkirche St. JohannesSchmidt Veit, Fischer Theodorgotisch
Neuhauser Straße 6Jesuitenkirche St. MichaelSustris Friedrich, Miller Wolfgang, Dietrich Wendel
Neuhauser Straße 8Ehem. Jesuitenkolleg (Alte Akademie)Sustris FriedrichRenaissance1585
Neuhauser Straße 10Kaufhaus HettlageWiedemann Josef, Kaspar Hermann 1953
Neuhauser Straße 14BürgersaalViscardi Giovanni AntonioBarock1709
Neuhauser Straße 16Wohnhaus1710
Neuhauser Straße 17Ehem. Geschäftshaus Dr. H. EhrlicherRuf Sep
Neuhauser Straße 18Kaufhaus OberpollingerLittmann Max, Düll Heinrich, Pezold Georg deutsche Renaissance1904
Neuhauser Straße 20GeschäftshausHeilmann und Littmannneugotisch1865
Neuhauser Straße 20Brunnenbuberl1895
Neuhauser Straße 25GeschäftshausRank Franz 1909
Neuhauser Straße 27AugustinerbräuSeidl Emanuel von1896
Neuhauser Straße 31Wohn- und GeschäftshausRank Franz Jugendstil1910
Neuhauser Straße 33Ehemaliges Café FürstenhofStöhr Karlneuklassizistisch1910
Neuhauser Straße 35GeschäftshausJugendstil1911
StraßeNameArtJahrBild
Neuhauser StraßeHerbert JensenGedenktafel19722018-02-28 13:53:18
Neuhauser StraßeKriegerdenkmalGedenktafel0000-00-00 00:00:00
Neuhauser StraßeKarlstor - Finessen-SepperlSteinfigur18612018-02-28 13:54:06
Neuhauser StraßeRichard-Strauss-BrunnenBrunnen2011-09-14 16:48:01
Neuhauser StraßeKarls-ThorGedenktafel2018-03-01 07:06:21
Neuhauser StraßeKapellmeister Sulzbeck2018-02-28 13:53:37
Neuhauser StraßeFranz Xaver KrenklSteinfigur2018-02-28 13:53:50
Neuhauser StraßeHofnarr PrangerlSteinfigur2018-02-28 13:53:58
Neuhauser Straße 2AugustinerkircheGedenktafel0000-00-00 00:00:00
Neuhauser Straße 6Ahnentafel des Hauses WittelsbachStandbild15820000-00-00 00:00:00
Neuhauser Straße 8Alte Akademie - Gedenktafel 1Gedenktafel18902011-04-02 07:45:58
Neuhauser Straße 8Alte Akademie - Gedenktafel 2Gedenktafel18902009-02-28 18:20:11
Neuhauser Straße 11Pschorr-BräuGedenktafel19230000-00-00 00:00:00
Neuhauser Straße 11Pschorr-BräuGedenktafel0000-00-00 00:00:00
Neuhauser Straße 35Gottfried KellerGedenktafel0000-00-00 00:00:00
Neuhauser Straße 47FußgängerzoneGedenktafel2018-02-28 13:53:18
Neuhauser Straße 51Akademie der WissenschaftenGedenktafel2013-03-29 09:59:58
Neuhauser Straße 51Max von PettenkoferWandbrunnen18990000-00-00 00:00:00
Neuhauser Straße 52Wolfgang MillerGedenktafel0000-00-00 00:00:00
Neuhauser Straße 52Infantrie-Regiment Nr. 1Gedenktafel0000-00-00 00:00:00
Neuhauser Straße 52Infantrie-Regiment Nr. 1Gedenktafel0000-00-00 00:00:00
StraßeTitelKünstlerArtJahr
Neuhauser StraßeRichard-Strauss-BrunnenWimmer Hans1962
Neuhauser Straße 2Sitzender KeilerMayer Martin1960
Neuhauser Straße 2WallerNageler Claus1982
Neuhauser Straße 20Satyrherme mit KnabeGasteiger Mathias1895

Straßen sind das Gedächtnis der Stadt



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