Literatur

Kabinettschränke

Titel Kabinettschränke
Autor Himmelheber Georg 
Verlag Bayerisches Nationalmuseum
Jahr 1977
Seiten 80
ISBN-10 B002HSO8PG
Kategorie Museumsführer
Suchbegriff Kabinettschränke 

In den Bildführern,,Schlosserkunst" und „Kabinettschränke" stellen wir Bereiche aus unseren Sammlungsbeständen vor, mit denen eine besondere der von den Gründern des Museums übertragenen Aufgaben erfüllt werden sollte. Es war die Aufgabe, ausgewählte kunsthandwerkliche Erzeugnisse der vergangenen Jahrhunderte als Bildungsmittel und Vorbilder für Handwerk, Industrie und Kunstgewerbe in beispielhafter Form öffentlich zugänglich zu machen.

Die fortschreitende Technifizierung und industrielle Herstellung des täglich gebrauchten Gerätes und Zeuges verwies dieses Konzept bereits zum Ausgang des 19. Jahrhunderts in den Bereich des Unrealistischen; die ästhetische Formung industriell gefertigten Gutes erfolgt so sehr unter ganz besonderen Bedingungen, daß die ästhetische Beschaffenheit des handwerklich Geschaffenen nicht einmal zum Vorbild genommen werden kann, es sei denn, man begnügte sich mit leerer und hohler Nachahmung oder man begeisterte sich an mehr oder weniger gekünstelten Umsetzungen. Andererseits sorgte elitäre, schöpferische Kraft für ein jeweils modernes, ästhetisches Gebilde- und Formschaffen (Jugendstil, Bauhaus), das - progressiv und damit elitär-bald den naiven wie den dogmatischen Historismus als Farce erscheinen ließ.

Diese Unvereinbarkeit von Forderung und Bedingung technisch-industrieller Produktionssysteme, ohne die die Menschheit nicht mehr existieren könnte, und der Forderung, den als Vorbilder proklamierten konkreten Zeugnissen individuell-handwerklichen Schaffens und Erschaffens nachzueifern und ästhetischem Schöpfertum, das letztlich nie durch historische Schulung und Verschulung erwirkt werden kann, wurde relativ spät erkannt; ja, in bestimmten Bereichen einer naiven Denkmal- und Heimatpflege bis heute nicht einmal wahrgenommen.

Dieser Problematik versuchte man im Bayerischen Nationalmuseum dadurch zu begegnen, daß man 1926 ein eigenes Institut, die „Neue Sammlung", gründete. Diesem Institut wuchsen damit zwei wesentliche Aufgaben zu: Das Aufspüren und Präsentieren von beispielhaften Gebilden und Formen kontemporären, ästhetischen Schaffens im Bereich der technisch-in-strumentalen und industrialen Zier- und Gebrauchsgüterherstellung und das Sammeln und Auswerten von Objekten aus vorausgehenden Epochen, die als historische Marken in der Entwicklung ästhetischer Qualität technologisch erzeugter Dinge auf die jeweilige Jetztzeit betrachtet werden können.




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