Literatur

Die Wittelsbacher und ihre Künstler in acht Jahrhundert

Titel Die Wittelsbacher und ihre Künstler in acht Jahrhundert
Autor Valentin Hans E. Valentin Erich Nöll Eckehardt 
Verlag Süddeutscher Verlag
Jahr 1983
Seiten 505
ISBN-10 379916085X
Kategorie Kunstführer
Suchbegriff Wittelsbacher Künstler 

Nicht von der rein geschichtlichen Bedeutung und dem Wirken des Hauses Wittelsbach soll dieses Buch handeln, nicht von Kriegen, Schlachten, Verträgen, Länderquerelen und historischen Daten - das ist schon oft und ausführlich festgehaltenworden. Hiersoll einmal zusammenfassend dargestellt werden, was Mitglieder dieses Herrschergeschlechtes in den vergangenen achthundert Jahren für die Kunst getan haben. Die Wittelsbacher und ihre Künstler, das ist ein Thema, das nicht in einem kurzen Abriß zu behandeln ist, sehr schnell wird man feststellen, auch schon beim flüchtigen Durchblättern dieses Bandes, daß ein ganz wesentlicher Teil der bayerischen und außerbayerischen Kunst- und Kulturgeschichte mit dieser Familie verbunden ist. Da nicht nur die Regierenden Geist und Kassen für Kulturelles öffneten, sondern auch politisch-herrscherlich weniger Machtbefugte dieses Hauses ihrem Hangzu den Künsten frönten,ja oft gerade diejüngeren Geschwister, die Mitglieder der Seitenlinien und vielen Familienverzweigungen, die durch Länderteilungen und Heiraten in all dieser Zeit vielfältig entstanden waren, ihr Schärflein zum Ruhm des Hauses auf kulturellem Gebiet beitrugen, ist diese Geschichte der Wittelsbacher und ihrer Künstler vielgestaltiger und bunterals jede rein historische Betrachtung, wo die Rangunterschiede wohl doch mehr ins Gewicht fallen. Bis Paris und Stockholm strahlen die Beziehungen aus, wurde bayerische Kultur »exportiert«, aber auch wurden von dort, und dies vielleicht noch deutlicher, die Anregungen und Vorbilder aufgenommen. So war das kulturelle Leben bei den Wittelsbachern immer höchst weltoffen, Künstler aus vieler Herren Länder wurden gastlich aufgenommen und anerkannt, ja konnten sich hier erst voll entfalten. Oft genug wurden Kunst und Künstler gefördert gegen den Widerstand sparsamer Räte oder einer unwilligen Bevölkerung, entstanden allein aus dem Willen eines aus dieser Familie künstlerische Höhepunkte. Man denke an die Hofkapelle mit Orlando di Lasso am Hof Herzog Albrecht V., der gleichzeitig Glanzpunkte im Theaterund bei seinenvielfältigen kostbaren Kunstsammlungen zahlreich aufwies; man denke auch an Max Emanuel, der selbst in seinen prekärsten Lebensstationen nie ohne Künstler um sich zu haben lebte, beide immer mit leeren Kassen und Schulden kämpfend; man denke an Ludwig 1., der an seiner Kunstbegeisterung nicht nur seine Hauptstadt teilhaben ließ, sondern eigentlichganz Deutschland damit bereicherte; man denke schließlich an Ludwig IL, der selbst zu einer Zeit, wo herrscherliches Mäzenatentum dank königlicher Stellung nicht mehr unangefochten gegen eine übermächtige öffentlichkeit sich ausleben konnte, trotz allem Richard Wagner nach seinem ganzen Vermögen förderte und auch noch baute und baute. Sie allewaren sich offenbar bewußt, daß die Nachwelt sie nicht nurnach Kriegsruhm und staatsmännischen Großtaten beurteilen würde, ja daß zum Nachleben einer großen Persönlichkeit gerade die - bleibenden - Taten der Kunst unschätzbar beitragen. Sich selbst zum Vergnügen, ihrem Nachruhm zur Ehre, so könnte das vielen vielleicht gar nicht bewußte Motto dieser Bestrebungen lauten.

Daß all dies nicht nur auf die bayerischen Gebiete zutrifft, sondern weit darüber hinausgreift, dafür stehen wiederum die Verzweigungen des Familienstammes. Dies trifft besonders für die pfälzischen Linien zu. So gehören Orte wie Düsseldorf, Heidelberg, Mannheim, Zweibrücken, Schwetzingen ebenso in dieses Buch wie Köln, Bonn und Münster, wo das Haus Wittelsbach viele Generationen langeinegeistliche »Nebenstelle« hatte in Gestalt von Fürstbischöfen und Kurfürsten.

Die Verflechtungen sind vielfältig, so vielfältig, daß auch in diesem Buch manches nur angedeutet und angerissen werden kann. Manche künstlerische Beziehung, vor allem in den frühen Jahrhunderten, kann nur Vermutung bleiben, Hypothese, Möglichkeit. Manch ein Verhältnis zwischen Herrscher und Künstler mag sehr persönlich gewesen sein, nur die Quellen schweigen darüber ebenso wie über den Anteil, den an diesem oder jenem Werk der anregende Mäzen vielleicht selbst hatte. Der künstlerische Austausch, das Gespräch, die Anregung durch Besuch und Reisen hin und her, ins Ausland, zu Verwandten, wer vermag heute sich noch eine Vorstellung davon zu machen. wie %%eit das eine ins andere gewirkt hat. Wie war das Verhältnis zwischen Herrscher und Künstler zuZeiten, wo noch keine übermächtige Verwaltung und Bürokratie sich dazwischenstellte, wieweit wirkte sich die Liberalität des Mächtigen auf das Leben des Schöpferischen aus, wie war die soziale Stellung des Künstlers im Alltag und an Festtagen? All dies wird nur in den seltensten Fällen heute noch zu ergründen sein. Man kann meist nur noch die Ergebnisse feststellen, das, was ; der Nachwelt geblieben ist von all diesem Mäzenatentum. _ Und das ist, wie man sieht, unendlich viel: Die Museen und Schatzkammern sind voll davon, die Schlösser, Gärten, Kirchen und Klöster geben auch heute noch beredtes Zeugnis davon, ob in Brühl, Clemenswerth, Heidelberg, Mannheim, München, Neuburg an der Donau, in Poppelsdorf oder in Schwetzingen. Wie viele Bücher, die heute ; noch gelesen werden und zu den Schätzen der Bibliotheken gehören, wären ohne diese Förderung nie geschrieben worden, wie viel Musik erklingt noch heute, die im Auftrag eines Wittelsbachers aufgeschrieben wurde. Allein das Theater hat in unserem Bewußtsein einen ä schweren Stand, ist es doch die flüchtigste der Kunstarten, die ganz vom Augenblick lebt, den sie gestaltet hat. Hiermüssenuns die Archive helfen, die alten Beschreibungen der Feste, die Stiche. Die großen x Theater- und Festaufführungen waren wohl die persönlichste Art, z dem Herrscher zu huldigen, ihn zu preisen, zu unterhalten, ihn und 9 seinen Hof in überhöhter Form darzustellen, aber auch die vergänglichste Art, seinen Ruhm der Nachwelt zu überliefern. Vier große Abschnitte behandeln die Beziehungen der Wittelsbacher; zu den Künstlern. Als erstes steht ihr Verhältnis zur Literatur, zu Geschichtsschreibern, Humanisten, Minnesängern und Poeten. Hans E. Valentin zeigt zum ersten Mal zusammenhängend, welche Rolle diese Familie weitgehend in der Literaturgeschichte gespielt hat. , Erich Valentin von der Musikhochschule München spürt dem Mäzenatentum der Wittelsbacher auf musikalischem Gebiet nach. Ludwig Senfl, Orlando di Lasso, Mozart, Richard Wagner, aber auch Archangelo Corelli und Georg Friedrich Händel sind hier die bedeutsamsten Namen.

Das Theater und das große Fest sind Thema des Abschnittes, den Eckehart Nölle, Leiter des Deutschen Theatermuseums München, darstellt. Ereignisse wie die Hochzeitsfeiern für Wilhelm V. und Renata von Lothringen, der Bau des ersten Opernhauses in München, die ersten Aufführungen der Opern Mozarts oder Wagners hatten Weltgeltung.

Schließlich gibt Horst H. Stierhofvon der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser einen Uberblick über die wahrhaft unerschöpflichen Sammler- und Fördertaten auf dem Gebiet der bildenden Kunst. Das Schaffen unzähliger Maler, Bildhauer, Architekten, Goldschmiede, Kunsthandwerker aller Art wäre ohne das Mäzenatentum eines wittelsbachischen Herrn gar nicht denkbar. Durch die Unterstützung, oft gar Entdeckung all dieser Künstlerpersönlichkeiten ist nicht nur Bayern, ist die ganze Kunstwelt um unendlich vieles reicher geworden. Dies einmal zusammenfassend darzustellen und festzuhalten ist der Sinn dieses Buches.




Revolutionszeitung

Navigation

Social Media