Literatur

Das alte München

Photographien 1855-1912 gesammelt von Karl Valentin

Titel Das alte München
Untertitel Photographien 1855-1912 gesammelt von Karl Valentin
Autor Bauer Richard 
Verlag Schirmer/Mosel
Jahr 1999
Seiten 260
ISBN-10 388814907X
Kategorie Bildband
Personen Valentin Karl 

Karl Valentin (1882-1949), Münchner Volkssänger, Komiker, Original und Genie des vertrackten Humors war Zeit seines Lebens von einer Leidenschaft besessen, die eine angemessene Würdigung bisher nicht erfahren hat: Dem Sammeln alter Lichtbilder seiner Heimatstadt München. Dieser Leidenschaft jagte er ohne Rücksicht auf materielle, gesundheitliche und zeitliche Beschränkung nach, um, wie er sagte, die Stadt München wieder aufzubauen, „aber nicht in Stein, sondern in Papier, um dadurch unseren Kindern und Kindeskindern zeigen zu können, wie es im 18. bis zum 19. Jahrhundert in München ausgesehen hat". Welch unvermutete Bedeutung diesem Vorhaben zuwachsen sollte, angesichts der gewaltigen Zerstörung Münchens in den Bombennächten des II. Weltkrieges, hat Karl Valentin nicht wissen können, wohl aber mag er es geahnt haben. Schon genauer wissen mußte es allerdings jener frühe Münchner Karl Valentin-Verehrer, der - mittlerweile zum Führer aller Deutschen aufgestiegen - der Stadt München den Ankauf der Valentinschen Sammlung nachdrücklich empfahl. Als das Stadtarchiv im Jahre 1939 die mittlerweile auf mehr als zweitausend Aufnahmen aus allen Epochen und Gattungen der Photographie angewachsene Sammlung übernahm, verkannte man allerdings ihren kulturhistorischen Eigenwert weitgehend und löste sie auf, indem man die Photographien in den übrigen Bildbestand des Archivs einordnete. In mühevoller Kleinarbeit wurde die Sammlung inzwischen anhand von Archivnummern, handschriftlichen Notizen, Bildbeschriftungen, Sammlerstempeln und dergleichen wieder rekonstruiert.

Der vorliegende Bildband ist das Ergebnis dieser Bemühungen. Er enthält 226 der schönsten Photographien aus Karl Valentins Sammlung, die in den Jahren von 1855 bis 1912 aufgenommen wurden, und zum aller-größten Teil bis heute unveröffentlicht sind. Darunter ist eine Fülle früher Amateurphotographien, die den besonderen Reiz des Buches ausmachen, zeigen doch gerade diese Bilder, was Münchener Bürger von ihrem München zu ihrer Zeit für festhaltenswert hielten. Gerade in dieser privaten, fast intimen Art auf Giesing, die Au, die Innenstadt, den Hauptbahnhof, das Oktoberfest und vieles andere mehr zu schauen, entsteht ein zärtliches Bild der Stadt München, das die besten Veduten der Berufsphotographen, die in diesem Buch natürlich auch vorhanden sind, alleine nicht hätten zustandebringen können. So hat die Stadt München in Karl Valentin ihren eigentlichen Bildchronisten des 19. Jahrhunderts gefunden, wie Berlin in Heinrich Zille und Paris in Atget. Daß er diese Rolle nicht als Photograph, sondern als Photosammler, der als einer der ersten die historische Bedeutung der Amateurphotographie erkannte, eingenommen hat, mutet merkwürdig modern an. Die in dem Band enthaltenen Bilder wurden anhand umfangreicher Recherchen identifiziert und ihr Aufnahmezeitpunkt durch Adreßbuchvergleiche und baugeschichtliche Studien bestimmt. In seinem einleitenden Text beschreibt Richard Bauer die Sammlertätigkeit Karl Valentins und die Geschichte der Photosammlung. Die Erläuterungen zu den einzelnen Bildern lassen Münchens Stadtgeschichte lebendig werden. Dies alles ergibt ein Buch, das sicher weit über München hinaus Interesse und Anklang finden wird.



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