Literatur

München ganz privat

Titel München ganz privat
Autor Angern Marianne von 
Jahr 1948
Seiten 252
ISBN-10 B0000BFTP1
Kategorie Literatur

ALS die Sirenen in der Nacht vom 7. zum 8. Januar des letzten Kriegsjahres zum zweiten Male über München aufheulten, befand sich Professor Hubert Pelander gerade auf dem Wege zum Spital.

Die Sorge um das Schicksal seiner Kranken trieb ihn, gleich nach Beendigung des ersten Angriffs, aus seiner Wohnung fort, wiewohl erneuter Alarm in Kürze mit Sicherheit zu erwarten war.

Seinen Wagen, der sich inmitten brennender und zusammenstürzender Gebäude eher als hinderndes, denn beschleunigendes Beförderungsmittel erwiesen hatte, ließ er unbenutzt vor dem Hause stehen. Die Möglichkeit, das nicht allzu entfernte Ziel noch vor Abwurf weiterer Bomben zu Fuß zu erreichen, erschien wohl vage, aber immerhin gegeben.

Und nun — noch um ein erhebliches früher, als anzunehmen gewesen wäre — ertönte es abermals, das tod- und verderbenkündende Signal einer Schreckenszeit, wie menschliche Vorstellungskraft sie nie hätte ersinnen können. Sofort fand die gespenstige Geschäftigkeit auf den von Feuersbrünsten erhellten Straßen einen jähen Abschluß. Hastig begonnene Lösch- und Bergungsaktionen wurden eingestellt. Menschen, mit knapper Not selbst der Vernichtung entronnen und jammernd auf der Suche nach vermißten Angehörigen, stürmten, alles im Stich lassend, die Zugänge nächstgelegener Unterstände.

Diese ihm bereits zum gewohnten Anblick gewordenen Begleitumstände der Bombennächte lösten in Pelander keinerlei Panik aus. Finmal unterwegs, war er entschlossen, bis zu den Grenzen des Tragbaren von seinem Ziel nicht abzulassen.



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