Literatur

Das Residenzmuseum in München

Titel Das Residenzmuseum in München
Autor Feulner Adolf 
Verlag Bruckmann Verlag
Jahr 1922
Seiten 63
ISBN-10 0000000248
Kategorie Museumsführer
Suchbegriff Residenz Residenzmuseum 

EINLEITUNG

Der großzügige Gedanke, die bisherige Residenz der bayerischen Könige dem bayerischen Volke, der Allgemeinheit überhaupt zu öffnen, sie als Stätte der Belehrung und Bildung allen zugänglich zu machen, hat durch die Gründung des Residenzmuseums allgemein befriedigende Gestalt gewonnen. Damit ist München um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden, die einzigartig dasteht in Deutschland, ja in Europa. Allen anderen Herrschersitzen hat dieMünchener Residenz zweierlei voraus: die Mannigfaltigkeit an hochbedeutenden Innenräumen aus den verschiedenen Bauperioden von der Renaissance bis zum Klassizismus und den Reichtum an wertvollen Leistungen des Kunstgewerbes vom 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Diese originalen Ausstattungsstücke ihrem ursprünglichen Standort zuzuführen, sie auf Grund wissenschaftlicher Forschungen wieder da aufzustellen, wofür sie ihre Entstehungszeit bestimmt hatte, die Räume von den Zutaten des ig. und 20. Jahrhunderts zu befreien, ihnen soweit wie möglich den originalen Charakter zurückzugeben, das war die Aufgabe der neuen Museumsleitung. Sie hat unter Friedrich Hermann Hofmanns umsichtiger Initiative für einen Teil des riesigen Baukomplexes in raschester Zeit eine Lösung gefunden. Alle weiteren Pläne erfordern umfassende Baumaßnahmen, die erst im Laufe der nächsten Jahre zur Ausführung kommen können.

Der neue Titel „Residenzmuseum" müßte beim Betreten schon vergessen werden. Das Residenzmuseum ist kein Museum im geläufigen Gebrauch des Wortes, nicht eine Sammlung von Kunstwerken, die der Zufall oder wissenschaftliche Sammlungstätigkeit an einer Stelle vereinigt hat. Der Bau hat seit seinem Entstehen bis in unsere Tage als Residenz des Landesherrn seine besondere Bestimmung gehabt. Was die Kunst des Landes, der Zeit überhaupt, an Schönem und Bedeutendem hervorbringen konnte, wurde von den Fürsten dem Ausbau und der Ausschmückung ihrer Residenz dienstbar gemacht. Die Hochrenaissance, Barock und Rokoko haben hier Räume geschaffen, die zu den edelsten und feinsten Schöpfungen dieser Stilarten in Deutschland gehörten. Jede Zeit hat nach ihrem Geschmack daran gebaut, ergänzt, verändert. Der Bau ist lebendiger Organismus geblieben, bis die jüngste Zeit sein Wachstum abgeschnitten hat. Nicht eine Sammlung ist hier zu sehen, sondern ein Gesamtkunstwerk, eine geschichtliche Folge von Räumen, denen zum vollen Leben nur eines fehlt, das Leben der Menschen, die die Räume für sich gebaut, die darin gewohnt haben.

Für die bisher zugänglichen Räume soll hier dem Leser in einer Reihe von Aufsätzen ein Führer gegeben werden, der kurz die wichtigsten geschichtlichen Nachrichten bringt; der vor allem das Verständnis für die künstlerischen Werte anbahnen will, die das Residenzmuseum vor allen anderen Museen auszeichnen, für die Bedeutung der Innenarchitekturen aus den verschiedenen Bauperioden. Die Einzeldaten habe ich im „Kleinen Führer" verzeichnet.

Feulner, Residenzmuseum




Revolutionszeitung
Revolutionszeitung

Navigation

Social Media